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Bundestagsmitglied Hans-Georg von der Marwitz diskutiert mit Neutrebbiner Zehntklässlern  

Neutrebbin (MOZ). Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz hat am Montag aus Anlass des Europatages mit Neutrebbiner Zehntklässlern über politische Fragen diskutiert. Besonderes Interesse hatten die Schüler an den Themen E-Mobilität und Einwanderung.
Politik persönlich genommen: Hans-Georg von der Marwitz (l) versucht, die Zehntklässler für die EU zu begeistern.

Politik persönlich genommen: Hans-Georg von der Marwitz (l) versucht, die Zehntklässler für die EU zu begeistern. © Foto: Ulf Grieger

„Wir waren auch zwei Mal Flüchtlinge!“ Für Hans Georg von der Marwitz ist angesichts der im Mittelmeer umgekommenen Flüchtlinge eine Mauer rings um Europa keine Lösung. Am Beispiel der eigenen Familiengeschichte, die in vielen Facetten eine europäische ist, macht der gebürtige Pfarrerssohn aus dem Allgäu deutlich, „wie sehr Politik in das persönliche Leben hineinbrandet“.

Marwitz erzählt von der Vertreibung der Urgroßeltern aus dem Georgien der Revolutionsjahre. Und der Flucht der Familie im Zweiten Weltkrieg aus Pommern. Im Allgäu hatte sich die Familie neu etabliert. „Und ohne den Mauerfall wäre ich dort noch immer Landwirt“, macht Marwitz die Bedeutung der Wende deutlich. Auch hier erreicht er seine jungen Zuhörer mit einer ganz persönlichen Erinnerung: „Am Tag, als die Mauer fiel, traf ich meinen Vater weinend im Sessel sitzend an. Dieser Mann hatte vor mir noch nie geweint. Aber so sehr hatte ihn die Grenz-öffnung ergriffen“, erzählt Marwitz, der überzeugt ist, dass die Gründung des Europarates und der damit verbundene Zusammenschluss ehemals verfeindeter Länder das beste war, was Deutschland passieren konnte. Die EU sei der Garant dafür, dass es mehr als 70 Jahre lang Frieden in Europa gibt. Für die Lösung der Zukunftsprobleme sei eine starke EU die Grundvoraussetzung.

Von den Schülern danach gefragt, was er von der E-Mobilität  halte, äußert sich der Politiker zurückhaltend. Auch der Strom müsse erzeugt werden. Es gebe ein Umdenken in Europa in Sachen Energiepolitik. „Allerdings haben wir in manchen Punkten den zweiten Schritt vor dem ersten getan. Wir müssen die Speicherfähigkeit des Stroms erhöhen“, ist Marwitz überzeugt.

In punkto Kohleverstromung erinnert er an den leidenschaftlichen Widerstand der Oderbrücher gegen die unterirdische Verpressung von Kohlendioxid in Neutrebbin. „Das war für mich auch ein politischer Einstieg“, so Marwitz, der den Zehntklässlern ans Herz legt, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Problematisch sei, dass in einigen EU-Ländern Atomenergie produziert wird, obwohl damit für tausende Generationen ein schweres Erbe angehäuft werde.

Beim Thema Flucht und Einwanderung macht Marwitz deutlich, dass Deutschland Menschen in Not sicheres Asyl gewähren muss. Andererseits sei es notwendig, dass es in der EU dazu einen Konsenz gibt. „Aber die Kanzlerin hat doch schon vor drei Jahren eine solche Einigung gefordert. Wann kommt die denn?“, fragt ein Schüler.

Eine gute Vorlage für den Politiker, die Schwierigkeit der politischen Debatte in der EU deutlich zu machen. Dass da drei Jahre ein kurzer Zeitraum sind, sei angesichts nationalistischer Tendenzen in einigen Ländern nicht verwunderlich.

Es sei wichtig, dass die Gründe zur Flucht aus sozialer Not heraus beseitigt werden. Dafür müsse die EU vor allem in den afrikanischen Ländern Aufbauhilfe leisten. Marwitz verschweigt aber auch nicht, dass Deutschland schon wegen des Fachkräftemangels nun endlich ein Einwanderungsgesetz brauche. Als die Oberschüler, die am Dienstag ihre Matheprüfung haben, Fragen zum ländlichen Raum, zu schlechten Busfahrplänen und mehr stellen, erweisen sich die 90 Minuten schon als viel zu kurz.

Ulf Grieger
MOZ
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