Der „Astronaut“ im Kuhstall

Seelow (MOZ). Hochmoderne Technik im Kuhstall – die durften Schülerinnen und Schüler der Oderbruch-Oberschule in Neutrebbin am „Zukunftstag“ in der Milchviehanlage der LVG Seelow erleben. Der Betrieb ist einer der ersten in der Region, die mit Melkrobotern arbeiten.

Kaum hat sich das Gitter im Einzelmelkstand hinter der Kuh geschlossen, kommen Bürsten angefahren, die die Zitzen reinigen. Dann testen Laserstrahlen das Euter ab, um die richtigen Stellen für das Ansetzen der Melkbecher zu finden. Die Kuh frisst derweil genüsslich die Pellets aus dem Trog im Melkroboter. Die Pellets sind mit einem Lockstoff versetzt, der den Kühen das Melken schmackhaft machen soll – und macht.
„Toll“ findet Lucie Jüttner (14)aus Biesdorf den Melkroboter. Lucie, die Tierärztin werden möchte – „für Großtiere“, wie sie betont, ist eine von 18 Schülerinnen und Schülern aus der 8. und 9. Klasse der Neutrebbiner Oberschule, die am „Zukunftstag“ mit WAT-Lehrer Torsten Pohl und Friedgunde Just vom Projekt „Landaktiv“ in die Milchviehanlage der LVG Seelow gekommen sind.
Alle 18 möchten einen „grünen“ Beruf erlernen. Und wie Helmmar Hopp (16) aus Neulewin, der Landwirt werden will, wissen sie: Die Anforderungen an die Bewerber sind hoch. Schließlich haben Land- und Tierwirte Verantwortung für große Anlagewerte – wie die Melkroboter.
Der erste „Astronaut A 3“, so die Bezeichnung des hochmodernen Melksystems, hat im März vorigen Jahres in einem LVG-Stall Einzug gehalten. „Unsere Fischgräten-Melkstände waren 16 Jahre alt und mussten ersetzt werden. Wir haben uns verschiedene Melksysteme angesehen und uns für das von LELY entschieden“, erklärt LVG-Geschäftsführerin Kerstin Voegler. Die vor der aktuellen Milchpreiskrise getroffene Entscheidung sei für ihren Betrieb eine in die Zukunft der Milchproduktion gewesen, sagt sie. Heute stehen in den beiden Kuhställen der Seelower Anlage insgesamt sechs Melkroboter. So viele waren für die rund 320 Kühe nötig. Denn „ein Roboter schafft bis zu 60 Tiere am Tag“, weiß Kerstin Voegler.
Inzwischen hätten sich die Kühe an die neue Technik gewöhnt, erläutert sie. Vor allem für die älteren Tiere sei die Umgewöhnung nicht leicht gewesen, berichtet die LVG-Chefin. Doch längst sei für Mensch und Tier spürbar: „Im Stall geht alles viel ruhiger und entspannter zu.“ Vorbei sei die Zeiten, da die erste Melkschicht um vier Uhr begann und die Nachtschicht weit nach Mitternacht endete. Vorbei auch die Zeit, da die Kühe in Gruppen zum Teil zwei bis drei Stunden zum Melken anstanden. Heute kommen die Mitarbeiter der Frühschicht um sechs Uhr. „Die Arbeit ist körperlich nicht mehr so anstrengend“, sagt Jessica Schatz (24). Der Computer nimmt den Melkern und Tierpflegern einige Arbeit ab. Sie haben jetzt mehr Überwachungsaufgaben.
Gemolken werden kann, bis auf die automatischen Spül-Pausen der Anlagen, jetzt rund um die Uhr. Die Kühe kommen zum Melken, wenn ihnen danach ist. Öfter als alle fünf Stunden melkt sie der Roboter allerdings nicht. Er erkennt seine „Kundinnen“ über die Responder an ihren Halsbändern. Der Roboter kontrolliert auch die Milchqualität und erkennt, welche „Biestmilch“ für die Kälbchen gesondert aufgefangen, welche nicht qualitätsgerechte Milch weggekippt werden muss. Außerdem habe sich die Gesundheit der Tiere verbessert, gebe es vor allem weniger Klauenprobleme, sagt Kerstin Voegler sichtlich zufrieden.

04.05.2009 07:20 UHR

Der „Astronaut“ im Kuhstall