Lebensläufe bebildert und vertont

Neutrebbiner Oberschüler haben Imma Harms und Thomas Winkelkotte zu Kindheit, Lernen und Arbeit befragt

Neutrebbin (MOZ). Im Rahmen des Inisek-Projektes „Biografien werden lebendig“ haben die Zehntklässler der Oderbruch- Oberschule Neutrebbin die Lebensläufe zweier Oderländer erfragt, die aus Westberlin nach Reichenow gezogen sind. Am Dienstag wurden die Ergebnisse präsentiert.

Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Was hat mich geprägt? Und wie haben meine Großeltern gelebt? Das sind Fragen, mit denen sich vor allem Jugendliche am Übergang von Schule zu Beruf verstärkt auseinandersetzen. Mit dem Projekt „Biografien werden lebendig“, das im Rahmen der Initiative Sekundarstufe I vom Berliner Büro Blau begleitet und von der EU sowie dem Land gefördert wird, hatten sich die Zehntklässler auf eine Reise durch ihre eigene Kindheit, Gegenwart und Zukunft gemacht. Sie beschäftigten sich mit wichtigen Lebensereignissen. Dabei setzten sie sich mit ihren Charaktereigenschaften und persönlichen Zukunftsvisionen auseinander. Das Team des Büros Blau lieferte Impulse zum Nachdenken und vermittelte berufsrelevante Medienkompetenzen. Die Jugendlichen erlangten auf diese Weise Grundkenntnisse der Interviewführung, Audioverarbeitung und Schnitttechnik und bereiteten die Biografien in Audio-Slide-Shows (vertonte Diashows) auf.

Die Schüler interviewten Imma Harms und Thomas Winkelkotte aus Reichenow zu ihrem Lebenslauf, legten dabei einen besonderen Fokus auf berufliche Stationen. Vermittelt wurde der Kontakt durch Almut Glagau, Lehrerin „Deutsch als Zweitsprache“ der Oberschule. Dass es sich nur um zwei Biografien handelte, die zudem durch gemeinsame Ansichten sowie Aktivitäten in der Arbeit (Film) und im Verein (Möhre) verbunden sind, schätzte Johanna Eichstädt vom Büro Blau bei der Präsentation als nicht so tragisch ein. Dem Erkenntnisgewinn tat dies keinen Abbruch. Die Schüler arbeiteten in Gruppen, die spezielle Fragen zu den Entwicklungsabschnitten wie Kindheit, Jugend, Berufsleben usw. erarbeiteten und die Antworten illustrierten.

Zur Präsentation in der Schulturnhalle waren alle Oberschüler gekommen. Leider reichte die Zeit nicht, um alle Vorträge zu erleben.

Lebensläufe bebildert und vertont

Vom Mut der Präsentation: Josi und Maurice waren die ersten Zehntklässler, die vor all den andren Oberschülern ihre Audio-Slideshow vorgestellt haben. Foto: Ulf Grieger

Thomas Winkelkotte, nun am Beginn des Rentnerdaseins, erzählte von der Kindheit mit sechs Geschwistern im deutschen Nordwesten. „Wir spielten viel draußen“, erzählte er. Gummitwist mit Mädchen habe ihm stets besser gefallen als Fußball mit Jungen. Und gelesen wurde viel. Nach Fotografenlehre war er gut 25 Jahre in West-Berlin, davon zehn Jahre als Kinomobilist unterwegs. Danach machte er Dokumentationen und Dokumentarfilme. Seit 13 Jahren ist er in Reichenow zuhause. Dort ist er in verschiedenen Kinoprojekten aktiv.

Imma Harms, Jahrgang 1949, Journalistin und Dokumentarfilmerin, war 30 Jahre lang leidenschaftliche Kreuzbergerin. Sie erzählte von ihrer Kindheit in einfachen Verhältnissen. Seit 1998 lebt sie auf dem Gutshof Reichenow. Sie versucht beharrlich, Stadt- und Landkultur zu verkoppeln, engagiert sich in der Dorfpolitik. Als Dozentin für Filmanalyse und mit ihrem Blog „Jottwehdeh“ auf dem Internetportal der Berliner Zeitung „taz“ hält sie die Bindung an die städtischen Diskussionen weiter aufrecht. Mit Thomas Winkelkotte hat sie Filme gemacht.

Ulf Grieger, MOZ

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